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Offener Brief der SEN in der CSU an Verkehrsministerin Kerstin Schreyer

Sehr geehrter Frau Staatsministerin, liebe Kerstin,
 
wer wie wirund mit unsTausende aus unterschiedlichsten Gründen gesundheitlicher Art und altersbedingt darauf verwiesen sind, Besorgungen und Erledigungen entweder mit dem PKW oder zu Fuß zu erledigen, kommt in diesen Wochen Tag für Tag mehr in Bedrängnis. Besonders in München,aber auch in anderen, nicht nur den Großstädten. OberBürgermeisterInnen und StadträtInnen haben sich zuhauf vorgenommen, ihre Innenstädte autofrei zu pressen, indem sie die Fahrspuren verengen, Straßen sperren, ganze Viertel so aufgraben, dass man zumindest während
der Stoßzeiten am besten daheimbleibt oder Corona-begründet sich verkriecht.
 
Die unerfreulichsten Entwicklungen tun sich in München. Bedenken, was das Auto angeht, gibt es da sichtlich nicht. Schon gar nicht, dass längst nicht alle (auch die vielen Pendler) so MVV-affin sind, dass sie die eigene Kutsche problemlos zuhause lassen könnten.
 
Die Verbotsszene für die Autos korreliert aufder anderen Seite mit einer Erlaubnisorgie für Radfahrer, deren besitzergreifendes Gehabe auf Radwegen (untereinander) und in Fußgängerzonen den Passanten gegenüber inzwischen so groß ist, dass Beschwerden sich sogar in täglichen Leserbriefen niederschlagen.
Bestürzend ist dabei, dass die je städtischen Maßnahmen das Gegenteil einer nötigen Beruhigung der Lage(n) auslösen.Entweder funktioniert das Zusammenspiel der Sicherheitskräfte zu wenig, was dann der Kollege Herrmann besser zu koordinieren verpflichtet wäre. Da wiraber die reale Münchner Verkehrswelt fast täglich erleben, wissen wir, dass es eher eineverkorkste Stadt-Verkehrsplanung ist, die da mehr als nur kneift.
 
Eben haben wir eingeführt, dass Autofahrer im Stadt-und Landstraßenverkehr neue Abstandsregeln zu Radfahrern einhalten müssen, Radfahrer auch in Einbahnstraßenaufkreuzen, sich beileibe nicht an ihre Spur halten, Kreuzungen übersehen als ob sie blind wären, Fußgänger belästigen und, wenn sie dann jemandzur Rede stellen will, einfach „abdampfen“. Das kann und darf nicht so bleiben.
 
Als Vertreterder Seniorenunion in der CSU nehmen wirdieauch hier zahlreich gewordenen Beschwerden der Fußgänger, zu denen ja auch die ausgebremsten Autofahrer und die vielen MVV-Nutzer zählen, wenn sie in den Städten Reststrecken zum Arbeitsplatz oder eigenen Wohnraum überwinden (anders kann man das kaum bezeichnen), nach langer Beobachtung einer wachsenden Hilflosigkeit der LäuferInnen zum Anlass, um die konkrete Hilfe der Staatsregierung in besagten Kommunen zu erbitten.
 
1.Was den Radfahrern gegenüber den blechbewehrten Autos zusteht, darauf haben auch die unbewehrten Fußgänger Anrecht. Rasende Radler mitten in der Fußgängerzone sind zu vertreiben. So, wie alle erwarten, dass die neuen „Roller“ sich an die Verkehrsregeln halten, muss das auch für Radler gelten und im Verstoßfall empfindlich geahndet sein.
 
2.Radfahrer müssen nicht nur warnen, sondern auch so fahren, dass der Fall normalerweise gar nicht eintritt. Wie alle anderen Verkehrsteilnehmer haben Sie sich an die StVO zu halten und, um sie im Ernstfall auch anzeigen zu können (bei Fahrerflucht z.B.) durch ein verpflichtendes und lesbares Nummernschild erfasst zu sein.
 
3.Angesichts des Fahrradbooms in einem ähnlichen wie dem chinesischen Ausmaß ist es ratsam, sehr genau zuprüfen, ob nicht ein verpflichtender Radl-Führerschein dann vor allem denen aufzuerlegen ist, die sich trotz aller Ermahnung an nichts halten und unbelehrbar Straßenraudis bleiben wollen.
 
Sicher, verehrte Frau Staatsministerin, werden solche und andere Rat(d)Schläge in Ihrem Haus in Fülle auftreffen. Uns den SeniorInnen, die täglich mit den Straßenbüffeln, die zwischenzeitlich in Herden auftreten oder sich verdüfteln, ist nicht damit gedient, dass die Räte weiter tagen und verschieben, sondern nur damit, dass in den kommenden Wochen mit den Radlern so gezielt umgegangen wird wie mit den Autofahrern seit längerer Zeit. Wir arbeiten gern mitan den Konzepten für den Klimaschutz, Verkehrsberuhigung, Stadtidyll, aber nicht zum Preis täglich wachsender Unfall-, Verletzungs-und Lebensgefahr
 
Es ist Zeit zu handeln! So schreibt es der MünchnerMerkur am 20. August,unterstreicht es Franziska Miroschnikoff, unsere Seniorenbeirätin,nachhaltig. Mit Ihrer Hilfeund Ihrem Impuls werden die Kommunalpolitiker aufhören, sich Fahrradprobleme klein, schön und einzigartig zu reden, ohne etwas dafür zu tun. Bevor wir in der Fahrradflut vor Bahnhöfen und Plätzen ersticken, würden wir gerne mit Ihnen allen feiern, dass wir den Drahteseln (um die geht es ja in Wirklichkeit) die Bockbeinigkeit abgewöhnt haben. Durfte Sie dieser Brief davon überzeugen. Das wär‘s dann bald gewesen, hofft mit DANKBARKEIT für Deine/Ihre Aufgeschlossenheit
 
Dein                                                          Ihr
 
gez.                                                          gez. 
 
Dr. Thomas Goppel                                     Dr. Reinhold Babor
SEN-Landesvorsitzend                                SEN Bezirksvorsitzender München 
 
WPH